Jahrgangsübergreifendes Lernen

Durch die veränderten Lebensbedingungen von Kindern in unserer heutigen Gesellschaft kann Schule nicht mehr die Schule sein, die sie vor 20 Jahren war. Die unterschiedlichen Leistungs- und Entwicklungsstände der Kinder sowie der bestehende Altersunterschied von 2 und mehr Jahren (z.B. durch vorzeitige Einschulung oder Wiederholung) machen die bestehende Heterogenität deutlich. Einer individuellen Förderung innerhalb von Jahrgangsklassen sind aber Grenzen gesetzt. Die bestehenden Unterschiede in der Lernentwicklung der Kinder sehen wir nicht als Defizite, sondern wir betrachten jedes Kind in seiner Individualität als Mensch mit Stärken und Schwächen. Lernen wird nicht behindert, sondern durch die unterschiedlichen Kenntnisse und Entwicklungsstände der Kinder bereichert. – Wir wollen die Vorteile der Unterschiedlichkeit nutzen.

Die Grundschule Hillegossen hat sich auf den Weg gemacht. Nach einer intensiven Auseinandersetzung im Kollegium und Elternschaft, sowie Hospitationen an Grundschulen mit Jahrgangsübergreifenden Lerngruppen hat die Schulkonferenz im Schuljahr 2017/2018 beschlossen, ab dem Schuljahr 2020/2021 das Jahrgangsübergreifende Lernen einzuführen. Insbesondere haben folgende Gründe für eine Jahrgangsmischung gesprochen:

Individuelle Lernfortschritte ermöglichen

Die Kinder arbeiten in einer vorbereiteten Lernumgebung, so dass eine Differenzierung nach Lernvermögen und Lernfähigkeit möglich ist. Durch diese gewollte Individualisierung stellen sich in der jahrgangsgemischten Lerngruppe Unterschiede heraus, die Lernanregungen bieten und Kreativität, Lernmotivation und die Achtung vor dem Können des Anderen fördern.

Besonders begabte Kinder werden in ihrem Wissensdrang nicht gebremst, sondern erhalten durch ältere Kinder und die im Klassenraum vorhandenen Materialien weitere Anregungen.

Lernverzögerte Kinder können entsprechend ihrem Lerntempo fortschreiten und bei Bedarf Unterstützung bekommen.

Die Jahrgangsmischung schließt nicht aus, dass sich sowohl alters- als auch leistungshomogene Arbeitsgruppen bilden, beispielsweise bei einem Bewegungsspiel für die Jüngeren oder der Auseinandersetzung mit einem Kinderbuch.

Soziales Lernen fördern

Individualisierung ist nur dann zu rechtfertigen, wenn jedes einzelne Kind auch das andere als Individuum mit eigenen Wünschen und Interessen achten lernt. Insofern ist Individualisierung nicht ohne Bezug zum Sozialen zu realisieren.

In der jahrgangsgemischten Klasse entsteht ein natürliches Helfersystem, das bei den Kindern gegenseitige Achtung und Interesse entstehen lässt. Alle Schülerinnen und Schüler kommen im Laufe ihrer Schulzeit in die Rolle der Helfenden und der Hilfesuchenden. Kinder können gut voneinander lernen, da ihre Denkweisen sich oft näher sind als die zwischen Lehrpersonal und Schülerinnen und Schüler.

Zudem ergibt sich auch für das erklärende Kind ein Lernzuwachs, denn auf diese Weise muss es sein Wissen nochmals genau durchdenken, strukturieren und sich sprachlich präzise ausdrücken. Auch die Jüngeren werden in ihrem Bestreben, den Älteren nachzueifern bestärkt und motiviert.

Die Jahrgangsmischung ist somit eine pädagogische Antwort auf die Anforderungen in unserer heutigen Gesellschaft.